Das Unternehmen
Kaum ein Flugzeugpassagier wird die MTU aus München kennen. Dennoch ist die Technologie des Unternehmens in jedem dritten zivilen Flugzeug verbaut. Vor dem Zweiten Weltkrieg ließ BMW beim heutigen Hauptsitz im Münchner-Allach eine Fabrik für Flugzeugmotoren bauen. Dort wurden bis zum Jahr 1944 1.000 Einheiten pro Monat produziert. Nachdem die Amerikaner die Gebiete besetzen, nutzen diese die Fabrik als Werkstätte. Danach stellte BMW Turbinen her, woraufhin Daimler-Benz und MAN mit einstiegen. Gegründet wurde dann, das Unternehmen 1969 durch Daimler-Benz und MAN. Beide Parteien bündelten ihre Tätigkeiten und erschufen die Motoren und Turbinen Union (MTU).
Die Aktie
Der IPO der MTU Aero Engines AG war am 06. Juni 2005. Damals lag der Emissionspreis bei 21€. Bereits am 19. September 2005 wurde das Unternehmen im MDAX aufgenommen. Aufgrund des Wachstums und der damit erhöhten Marktkapitalisierung wurde das Unternehmen am 23. September 2019 erfolgreich als DAX Mitglied aufgenommen. Seit dem IPO konnte die Aktie um sage und schreibe 1.506,35% zulegen! Seit dem wurden für jede Aktie insgesamt 33,93€ an Dividende ausgeschüttet.
WKN: A0D9PT ISIN: DE000A0D9PT0 SYMBOL: MTUAF

Das Geschäftsmodell
Die MTU Aero Engines AG hat drei Bereiche in dem das Unternehmen tätig ist.
- Das zivile Triebwerkgeschäft
- Die zivile Triebwerkinstandhaltung
- Das militärische Triebwerkgeschäft
Expertise hat das Unternehmen aus München bei Niederdruckturbinen, Hochdruckverdichtern und Turbinenzwischengehäusen. Dabei kann der Spezialist diese herstellen und reparieren.
Ein Teilen tut das Unternehmen seine Geschäftstätigkeit in zwei Segmente. Einmal in das OEM-Geschäft (Original Equipment Manufacturing), also das Herstellen von Original Teilen und Komponenten, die so zum Beispiel im Flugzeug verbaut werden. Zum anderen in das MRO-Geschäft (Maintenance, Repair and Overhaul), also der Reparatur und Instandhaltung. Im Geschäftsbericht 2025 weist MTU darauf hin, dass das OEM-Geschäft das Neu- und Ersatzteilgeschäft, sowie das militärische Geschäft beinhaltet. Die Münchner sind ein wichtiger strategischer Partner der Bundeswehr. Das MRO-Geschäft sichert dem Unternehmen wiederkehrende Einnahmen, da Flugzeuggesellschaften auf die Expertise der MTU und dessen Service angewiesen sind.
Folgender Ausschnitt veranschaulicht, in welchen Regionen das Unternehmen innerhalb und vor allem außerhalb Deutschlands tätig ist.:

Die Triebwerke sind in Flugzeugen von Airbus, Boeing sowie der Bundeswehr verbaut. Dabei sind es Triebwerke für Kurzstrecken-, Mittelstrecken- und Langstreckenflugzeuge. Folgender Ausschnitt veranschaulicht drei der sechs Triebwerke aus dem Triebwerkportfolio der MTU.

Alle drei Triebwerke wurden von General Electric entwickelt. Im Zusammenarbeit mit den unten aufgeführten Konkurrenten entwickelt das Unternehmen diese Triebwerke. Um diese Triebwerke zu entwickeln, herzustellen und zu warten, wie auch zu reparieren benötigt ein Unternehmen wie MTU eine Vielzahl von Lizenzen und Zertifikate. Neue Marktteilnehmer können also nicht so einfach den Markt aufmischen und eine Disruption einleiten.
Der CEO
Seit dem 01. September 2025 ist Dr. Johannes Bussmann der CEO der MTU Aero Engines AG. Damit löste dieser den vorherigen CEO Lars Wagner ab. Der 56-Jährige hat bereits Erfahrung in der Luftfahrtindustrie gesammelt. Im Jahr 2023 übernahm der promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur den Vorstandsvorsitz der TÜV SÜD AG, dessen Sitz in München ist. Darüber hinaus arbeitete Dr. Bussmann mehr als 20 Jahre bei der Lufthansa Technik AG, bei dieser er seit 2015 sogar Vorstandsvorsitzender war. In meinen Augen ist für ein Unternehmen wie der MTU ein Ingenieur als CEO wichtig, da Dr. Johannes Bussmann ein Grundverständnis mitbringt, welches mit einem anderen abgeschlossenen Studiengang nicht möglich wäre. Zudem spielt die Erfahrung eine weitere wichtige Rolle.

Die Konkurrenz
Die Münchener müssen sich in beiden Segmenten Konkurrenten gegenüber behaupten. Mit diesen Konkurrenten geht MTU jedoch auch internationale Konsortiums, sowie Joint-Ventures ein um Triebwerke zu entwickeln. Zu den größten Konkurrenten gehören GE Aerospace (USA), Rolls-Royce (Großbritannien), Pratt & Whitney (RTX Corporation) (USA), Safran (Frankreich) und Honeywell Aerospace (USA). Daher kann man diese nicht als direkte Konkurrenz ansehen, sondern eher als Partner. Die Aktien dieser sind in den letzten Monaten aufgrund des Rüstungsbooms stark gestiegen.
Der Umsatz & Gewinn
2025 kam MTU Aero Engines auf einen Umsatz von 8.763 Milliarden Euro. Dieser lag 2024 noch bei 7.411 Milliarden Euro. In den letzten fünf Geschäftsjahren kam das Unternehmen auf ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 17,87%. Der Umsatz setze sich im letzten Geschäftsjahr wie folgt zusammen.:

In den letzten zwei Geschäftsjahren war das Nettoergebnis positiv. So lag 2024 der Gewinn bei 642 Millionen Euro. 2025 erreichte dieser einen Wert von 1.028 Milliarden Euro. Der Gewinn wies 2023 einen Fehlbetrag von -102 Millionen Euro aus. Dies zeigt erneut, dass das Unternehmen einen zyklischen Charakter aufweist. Dadurch lässt sich kein realistisches durchschnittliches Gewinnwachstum der letzten fünf Jahre in Prozentpunkten darstellen.
Der Free Cashflow
Im Jahr 2023 lag der Free Cashflow bei 352 Millionen Euro. Im Jahr 2024 erreichte dieser lediglich nur noch einen Wert von 183 Millionen Euro. Dieser konnte für das Jahr 2025, jedoch wieder mehr als verdoppelt werden. So erreichte dieser den Wert von 378 Millionen Euro. Wie ersichtlich wird, war der Free Cashflow durchweg positiv, schwankte jedoch.
Die Verschuldung
Die Gesamtverschuldung beläuft sich auf 8.345 Milliarden Euro. Diese setzt sich zusammen aus 3.090 Milliarden langfristigen Schulden und 5.255 Milliarden kurzfristigen Schulden. Ein wesentlicher Bestandteil der kurzfristigen Schulden weist der Posten ,,Rückerstattungsverbindlichkeiten“ auf. Dieser Posten kann Preisnachlässe darstellen, sowie Leistungsgarantien. Der Wert beläuft sich auf 3.103 Milliarden Euro.
Die Nettoverschuldung (in diesem Fall werden nur Finanzschulden betrachtet) von MTU setzt sich wie folgt zusammen:

Trotzdem sollte man sich meiner Meinung nach die Nettoverschuldung mit allen Verbindlichkeiten anschauen. Mit einer Verschuldung von rund 8.345 Milliarden Euro, abzüglich der Zahlungsmittel und Ausleihungen an Fremde ergibt sich eine Nettoverschuldung von 7.053 Milliarden Euro.
Das Eigenkapital
Im Geschäftsbericht 2025 wurde das Eigenkapital in Höhe von 4.375 Milliarden Euro ausgewiesen. Die Veränderung des Eigenkapitals wird durch einen Ausschnitt aus dem Geschäftsbericht verdeutlicht.

Weitere Kennzahlen
Im Jahr 2025 beschäftigte das Münchener Unternehmen 13.674 Mitarbeiter. Davon arbeiteten rund 8.079 Mitarbeiter im OEM-Segment und 5.266 Mitarbeiter im MRO-Segment. Insgesamt zahlte das Unternehmen für die Mitarbeiter 1.284 Milliarden Euro in Form von Löhnen und Gehälter, wie auch Sozialabgaben.
Die MTU ist mit einem Auftragsbestand von 29,5 Milliarden Euro zum Ende des Geschäftsjahres 2025 gut aufgestellt. Setzt man diesen Wert in Relation mit dem Umsatz, dann ergibt sich in etwa ein Auftragsbestand der das Unternehmen für gut drei Jahre weiterhin versorgt.
In die Forschung und Entwicklung wurden im letzten Geschäftsjahr rund 377 Millionen Euro investiert. Durch Zuschüsse der öffentlichen Hand wurden jedoch nur ein Eigenanteil von 239 Millionen Euro fällig. Erfolgswirksam in der GuV waren es zum Schluss nur noch lediglich 111 Millionen Euro.
Die Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente lagen im letzten Geschäftsjahr bei 1.256 Milliarden Euro und verringertwn sich im Vergleich zum Vorjahr, aufgrund der erhöhten Dividendenausschüttung, sowie der Tilgung einer Anleihe. 2024 verzeichnete das Unternehmen noch einen Wert von 1.747 Milliarden Euro.
Die immateriellen Vermögenswerte und das Goodwill kamen auf einen Wert von 1.490 Milliarden Euro. Wir dieser Wert im Verhältnis zur Bilanzsumme in Höhe von 12.721 Milliarden Euro gesetzt ergibt sich ein Wert von 11,71%. Damit beeinflusst dieser Posten die Bilanz nicht.
Insgesamt standen im letzten Geschäftsjahr 53.785.595 Aktien aus. Mit einem aktuellen Aktienkurs von 340,10€ (stand 22.07.2026) ergibt sich eine Market Cap von 18.292.480.860 Euro.
Das Rating
Für die Ratingvergabe der MTU sind die Ratingagenturen Moody’s und Fitch zuständig. Seit dem 19. April 2010 weist das Rating ein Investment Grade Status auf. Laut der Internetseite der MTU hat Fitch ein Rating von BBB mit einem stabilen Ausblick vergeben (stand 19. September 2025). Moody’s vergab den Münchener ein Rating Baa2 ebenfalls mit einem stabilen Ausblick (stand 27. August 2025).
Um diese Ratings einzuordnen, nutze ich wie immer die bereits bekannte Ratingtabelle.:

Wie nun ersichtlich wird, weist das Unternehmen eine befriedigende Bonität auf.
Die Finanzkennzahlen
Die Dividende
Die MTU hat seit zwei Jahren die Dividende gesteigert und nicht mehr gesenkt. Diese wird einmal im Jahr und zwar im Mai ausgeschüttet. Im Jahr 2025 gab es pro Aktie eine Dividende von 3,60€. Insgesamt wurden 118 Millionen Euro Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Mit einem aktuellen Aktienkurs von 340,10€ (stand 22.07.2026) ergibt sich eine Dividendenrendite von 1,06%.
Das KGV & KBV
Im letzten Geschäftsjahr verdiente der Hidden Champion 18,90€ Gewinn pro Aktie. Teilt man diesen Gewinn durch den aktuellen Aktienkurs, so ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18. In den letzten fünf Jahren war das KGV nicht so niedrig, wie es aktuell der Fall ist.
Das KBV kommt auf einen Wert von 4,18.
Die Eigenkapitalquote & die Eigenkapitalrendite
Die Eigenkapitalquote von 34,39% kann sich durchaus sehen lassen und ist damit höher als der Mindestwert von 25%.
Aufgrund des erhöhten Gewinns des letzten Jahres kommt das Unternehmen auch auf eine hohe Eigenkapitalrendite. Diese lag 2025 bei sage und schreibe 23,5%! Wie bereits erwähnt war der Nettogewinn 2023 negativ, sodass auch hier keine Eigenkapitalrendite messbar war.
Weitere Finanzkennzahlen
Der Piotroski F-Score kommt auf 6 von 9 Punkten und ist damit im anfänglich grünen Bereich.
Die Bruttomarge liegt aktuell bei 19,26%. Die Nettomarge liegt bei 11,59%.
Die Verschuldung im Verhältnis zum Ebitda kommt auf einen Faktor von 1,06. Damit ist dies ein sehr guter Wert.
Insiderkäufe und Insiderverkäufe
Seit Februar diesen Jahres kauften alle vier Vorstandstandmitglieder Aktien des Unternehmens. Keiner verkaufte Anteile. Das kann durchaus ein Vertrauen gegenüber dem eignenen Unternehen vermitteln und eine Unterbewertung der Aktie darstellen. Die meisten Käufe tätigte Dr. Silke Maurer.

Fazit
Die MTU Aero Engines weist ein solides Geschäftsmodell auf. Durch die eigene Herstellung von Triebwerken beliefert diese sowohl die zivile, als auch die militärische Flugbranche. Diese werden jedoch nicht alleine entwickelt, sondern mit weiteren Größen der Luftfahrtindustrie wie GE Aerospace und die RTX Corporation. Um weitere Einnahmen zu generieren, ist das Unternehmen aus München auch in der Wartung und Instandhaltung der Triebwerke für die Kunde tätig. Das ermöglicht dem Unternehmen wiederkehrende Einnahmen. Genau dieses Segment weist die höchsten Einnahmen auf. Der Markt der Triebwerkhersteller ist kleiner als die der Instandhalter. Um Triebwerke zu designen, herzustellen und Instand zu halten benötigt man als Unternehmen gewisse Lizenzen, daher ist es nicht so einfach als neues Unternehmen in den Markt einzutreten. Zudem benötigt man qualifiziertes Personal. Triebwerke für Flugzeuge zu bauen und zu warten ist extrem komplex, sehr teuer und stark reguliert. Somit weist dieser Markt eine High barrier of entry auf. So wie es etwa der Investor Chris Hohn in Bezug auf Unternehmen bezieht in denen er investiert.
Mit einer soliden Bilanz und einem erfahrenden Vorstand ist in meinen Augen das Unternehmen gut für die Zukunft gewappnet. Der Schuldenstand ist ebenfalls gut gedeckt. Aktionäre sollte ein Auge auf die Eigenkapitalquote und den Cashflow behalten. Bereits heute ist das Unternehmen weltweit in wichtigen Standorten aktiv. Auch eine Vielzahl an Kunden weist das Unternehmen auf. Wie bereits erwähnt sind in jedem dritten Flugzeug Triebwerke die von der MTU mit entwickelt wurden verbaut. Das zeigt, wie wichtig das Unternehmen vor allem auch für Deutschland ist. Auch wenn das Geschäft zyklisch ist, sollte das Unternehmen weiterhin von der steigende Nachfrage in der Flugbranche profitieren. Das erwähnt das Unternehmen auch im Geschäftsbericht.
KGV technisch gesehen ist die Aktie so günstig wie lange nicht mehr. Auch die weiteren Kennzahlen sprechen für das Unternehmen. Die Vorstände haben in den letzten Monaten ebenfalls fleißig Aktien ihres Unternehmens gekauft und beweisen skin in the game.
Die Quellen:
https://de.finance.yahoo.com/quote/MTX.DE
https://industriemagazin.at/maschinenbau/mtu-aero-engines-drohnen-ruestung
https://www.finanzen.net/bilanz_guv/mtu
https://aktienfinder.net/dividenden-profil/MTU%20Aero%20Engines-Dividende