Das Unternehmen
Die Linde plc wurde am 21. Juni 1879 gegründet. Den Hauptsitz hat das Unternehmen in Dublin, Irland, währenddessen der operative Sitz in England und den Vereinigten Staaten gelegen ist. Durch eine erfolgreiche Fusion der deutschen Linde AG und dem US-amerikanischen Unternehmen Praxair entstand am 31. Oktober 2018 die Linde plc. Durch den Zusammenschluss versprach sich das Management einen Marktführer in der Gasbranche zu kreieren und vor allem Synergieneffekte zu erzielen. Die Verlagerung des Hauptsitzes nach Irland hatte steuerliche Gründe, denn in Irland gibt es gute steuerliche Anreize, die sich für Unternehmen lohnen. Ein weiteres Beispiel dafür ist Accenture.
Die Aktie
WKN: A3D7VW ISIN: IE000S9YS762 Symbol: LIN

Das Geschäftsmodell
Linde ist das größte Industriegasunternehmen weltweit und ist zu gleich einer der technologischen Hauptinnovatoren in dem Bereich der Industriegase.
Die Hauptprodukte sind Industrie- und Prozessgase. Darüber hinaus baut der Gasspezialist auch Anlagen zur Herstellung von Industriegasen, bietet Dienstleistungen in den Bereichen der Gasproduktion und Gasverarbeitung an. Zu den Anlagen die Linde herstellt gehören zum Beispiel Erdgasaufbereitungsanlagen, Wasserstoff- und Synthesegasanlagen.
Die Kunden von Linde sind in vielen Branchen vertreten. So bezieht die Gesundheitsbranche, die Chemiebranche, die Energiebranche, die Fertigungsindustrie, die Minen und Metallbranche, Lebensmittel- und Getränkehersteller und die Elektronikbranche Produkte von Linde. Diese Vielzahl an Kunden, aus den ganzen Branchen suggeriert ein breit aufgestelltes Geschäftmodell.
Was sind Industrie- und Prozessgase?
Zu den Industriegasen von Linde gehören vor allem Sauerstoff, Stickstoff, Argon und Edelgase. Diese Gase werden hauptsächlich in großen Mengen in der verarbeitenden Industrie eingesetzt.
Bei den Prozessgasen handelt es sich, um Gase die eingesetzt werden, um einen gewünschten Effekt zu erzielen. Diese werden für einen bestimmmten Prozess in der industriellen Fertigung eingesetzt. Ein genaues Beispiel wäre das Schutzgas beim Schweißen oder das Nutzen von Gas in der Halbleiterindustrie. Prozessgase sind unter anderem Wasserstoff, Helium, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Elektronikgase, Spezialgase und Acetylen.
Wie produziert Linde das Gas?
Linde hat verschiedene Anwendungen und vor allem Quellen, wie es seine Industrie Gase produziert. Ein Verfahren welches Linde einsetzt, ist das steam methane reforming (smr) oder auch zu deutsch Dampfreformierungs-Verfahren. Das SMR-Verfahren ermöglicht die Herstellung von Synthesegasen und Wasserstoff. So produziert Linde durch Luftverlegungsverfahren Sauerstoff, Stickstoff und Argon. Diese atmosphärischen Gase, zählen zu den Gasen, die das höchste Volumen von Linde darstellen. Der Rohstoff für diese Gase, ist die Umgebungsluft.
Konventioneller Wasserstoff, jenes Trendthema, produziert der Gasriese durch Erdgas oder Methan. Acetylen oder auch Ethin genannt, ist ein Gas welches zum Schweißen oder Brennschneiden von Metallen genutzt wird. Dieses wird bei Linde aus Wasser und Calciumcarbid hergestellt.
So vertreibt der Gasspezialist seine Produkte
Der Vertrieb der Gase erfolgt laut eignen Angabe über drei Distributionskanäle.
- Durch On-Site Locations oder per Tonnage
- Verkauf von Gas in flüssigen Zustand im Handel oder Großmengen
- Verkauf von Gas in Flaschen
Gerade die On-Site Locations sind interessant, da Linde entweder vor Ort beim Kunden eine Anlage zur Herstellung von Gasen errichtet oder in der Nähe. Die Kunden erhalten dann durch Pipelines Gas von Linde. Gerade für Großkunden mit einer langen nachhaltigen Nachfrage von Gasen biete das Unternehmen diese Möglichkeit an. Die Verträge mit diesen Kunden gehen in der Regel 10-20 Jahre, es wird zudem auch eine Minimumabnahme von Gasprodukten vereinbart. Des Weiteren werden auch Preisanpassungen in den Verträgen mit eingebaut. Wenn die Gasspezialisten in der Nähe des Kunden eine Anlage bauen, wird diese auch für andere Kunden genutzt.
Die typischen Gasprodukte die dann vertrieben werden sind Sauerstoff, Stickstoff und Wasserstoff. Diese Gase werden durch Kryogene Luft gewonnen. Diese Luft wird sehr stark heruntergekühlt. Im Regelfall auf -180 Grad bis -196 Grad Celsius. Dadurch wird das Gas flüssig und die Trennung in einzelne Bestandsteile kann erfolgen.
Insgesamt operiert Linde in 86 Ländern weltweit.
Der CEO
Seit März 2022 ist Sanjiv Lamba der CEO von Linde. Herr Lamba war zuvor bereits in vielen Rollen für das Unternehmen tätig. Auch in verschiedenen Regionen arbeitete er für Linde so etwa in Indien, Singapur, dem vereinigten Königreich und Deutschland. Seine Karriere begann er bei BOC India im Jahr 1989 in der Finanzabteilung. BOC India war ein vorheriges Unternehmen von Linde. Mittlerweile trägt es den Namen Linde India Limited. Herr Lamba ist somit seit langem im Geschäft und dürfte die notwendige Erfahrung mitbringen um als CEO arbeiten zu können.

Die Konkurrenz
Der Industrie Gasanbieter muss sich eine Vielzahl von Konkurrenten stellen. Dazu gehört vor allem Air Liquide S.A., Air
Products and Chemicals, Inc., Messer Group GmbH, Mitsubishi Chemical Holdings Corporation und vielen weiteren kleinen und mittelständischen Unternehmen. Linde, Air Liquide und Air Products and Chemicals teilen sich den Markt weitestgehend auf. Man könnte hierbei von einem Oligopol sprechen.
Air Liquide sollte jeden Anleger ebenfalls etwas sagen, daher möchte ich einen kleinen Einblick in die Zahlen des Unternehmens bringen. Der direkte Konkurrent aus Frankreich verzeichnete im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatz von 27 Milliarden Euro. In den letzten fünf Jahren steigerten die Franzosen den Umsatz durchschnittlich um 5,18%. Der Gewinn lag im letzten Geschäftsjahr bei 3,3 Milliarden Euro. Das durchschnittliche Gewinnwachstum lag bei 8,1%.
Die Eigenkapitalquote lag 2024 bei 53,21%. Die Eigenkapitalrendite konnte 11,96% verzeichnen. Die Bruttomarge liegt bei 63,28%. Das Unternehmen kann nach allen Kosten eine Nettomarge von 12,5% erzielen.
Unbekannter sollte Anlegern das Unternehmen Air Products and Chemicals aus den Vereinigten Staaten sein. Mit einem Umsatz im Geschäftsjahr 2025 von 12 Milliarden US-Dollar erzielte das Unternehmen auch weniger als die beiden Konkurrenten aus Europa. Das Umsatzwachstum lag in den letzten fünf Geschäftsjahren durchschnittlich bei 6,86%. In den letzten drei Jahren stagnierte der Umsatz, sodass die Umsatzwachstumsraten aus den Jahren zuvor resultierten. Der Nettogewinn war im letzten Geschäftsjahr negativ. Das Unternehmen musste einen Fehlbetrag von -386,5 Millionen US-Dollar ausweisen. In den vier Jahren zuvor konnte das Unternehmen den Gewinn um durchschnittlich 21,75% steigern. Die Market Cap des Unternehmens beträgt aktuell 58,7 Milliarden US-Dollar.
Zum Ablauf des letzten Geschäftsjahres lag die Eigenkapitalquote bei 42,26%. Eine Eigenkapitalrendite konnte aufgrund des Fehlbetrags nicht erzielt werden. Die Bruttomarge von Air Products and Chemicals lag 2025 bei 31,41%. Eine Nettomarge konnte das Unternehmen nicht erzielen.
Weitere Informationen zur Konkurrenz weltweit
Die folgenden Darstellungen und Auswertungen von Statista sollen die Position von Linde in ihrer Industrie verdeutlichen. Die zweite aktuellere Darstellung ordnet Linde zudem in die Chemie Branche ein.


Der Umsatz & Gewinn
Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete Linde einen Umsatz von 33 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor lag dieser bei 32.845 Milliarden US-Dollar. Prozentual konnte der Umsatz also überhaupt nicht gesteigert werden. In den letzten fünf Jahren konnte das Unternehmen den Umsatz um durchschnittlich 3,36% steigern.
Der Umsatz von Linde teilt sich folgendermaßen nach den Regionen weltweit auf:

Der Gewinn lag 2024 bei 6.565 Milliarden US-Dollar und konnte im Gegensatz zum Vorjahr um 6% gesteigert werden. So lag dieser 2023 noch bei 6.199 Milliarden US-Dollar. Einer der Gründe für die Gewinnsteigerung, obwohl kein Umsatzwachstum vorlag waren die Reduzierung der Umsatz- und Abschreibungskosten. Das Unternehmen konnte in den letzten fünf Jahren den Gewinn um durchschnittlich 26,26% erhöhen.
Der Cashflow
Zu Beginn der Periode wies der Cashbestand einen Wert von 4.664 Milliarden US-Dollar auf. Zum Ende konnte der Cashbestand um 186 Millionen US-Dollar erhöht werden. Damit lag der Wert bei 4.850 Milliarden US-Dollar. In den letzten vier Jahren war der Free Cashflow durchweg positiv. So lag dieser 2023 bei 5.518 Milliarden US-Dollar und 2024 bei 4.926 Milliarden US-Dollar. Die Dividende konnte also aus dem Free Cashflow bezahlt werden. Die Aktienrückkäufe überstiegen dann allerdings den freien Cashflow.
Die Verschuldung
Die Verschuldung lag im Geschäftsjahr 2024 bei 40.659 Milliarden US-Dollar. Davon waren 14.544 Milliarden US-Dollar kurzfristige Verbindlichkeiten und 26.025 Milliarden US-Dollar langfristige Verbindlichkeiten. Die Verschuldung machte 2023 noch einen Wert von 39.716 Milliarden US-Dollar aus.
Die Nettoverschuldung des Unternehmens beläuft sich auf 16.773 Milliarden US-Dollar. 2023 lag dieser Wert noch bei 14.709 Milliarden US-Dollar.
Das Eigenkapital
Den Aktionären zuzuschreiben ist ein Eigenkapital in Höhe von 38.092 Milliarden US-Dollar. Insgesamt liegt der Wert allerdings bei 39.745 Milliarden US-Dollar.
Hier einmal eine Übersicht:

Wie ersichtlich wird, gibt es zwei Unterpunkte die negativ ausgezeichnet sind. Erstere ist die Darstellung von Jahresverlusten. Zweitere stellt den US-Dollar Wert der Aktien dar, die in 2023 und 2024 zurückgekauft wurden. Die Gewinnrücklage weist einen Wert von 12.634 Milliarden US-Dollar auf und stellt damit ein gutes Polster bereit.
Weitere Kennzahlen
Mit einem aktuellen Aktienkurs von 440,33$ (stand 15.01.2026) und ausstehenden Aktien von 490.766.972 Stück, kommt das Unternehmen auf eine Market Cap von 216,01 Milliarden US-Dollar.
Die Umsatzkosten lagen in den letzten Jahren durchschnittlich bei 51,5%. So machten diese 2024 einen Wert von 17.143 Milliarden US-Dollar aus.
Der größte Kostenpunkt in der Produktion von Lindes Gasen ist die Energie. Den Energiebedarf deckt Linde durch Strom, Erdgas und Diesel für den Vertrieb ab.
Im Geschäftsjahr 2024 kaufte das Unternehmen eigene Aktien im Wert von 4.451 Milliarden US-Dollar zurück. In den Jahren zuvor wurden ebenfalls eigene Aktien zurückgekauft. Dividenden schüttete das Unternehmen in Höhe von 2.655 Milliarden US-Dollar aus.
Ende 2024 arbeiteten weltweit für Linde 65.289 Mitarbeiter.
Das Goodwill wurde im letzten Geschäftsbericht mit einem Wert von 25.937 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Dieser Hohe Wert resultiert aus der Fusion mit Paxair im Jahr 2018. Abschreibungen des Goodwills könnten zu negativen Kursreaktionen führen.
Die Finanzkennzahlen
Wie üblich gibt es auch in dieser Analyse den bereitgestellten Chart der Linde Aktie aus dem Geschäftsbericht. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wird der Total Return der Aktie mit dem S&P 500 und dem S5 Materials Index verglichen. Zu Beginn dieses Zeitraums werden 100$ investiert. Investiert wurde am 31.12.2019. Wie ersichtlich wird, konnte Linde über diesen Zeitraum den Markt schlagen.

Die Dividende
Seit 29 Jahren steigert das ehemalige deutsche Unternehmen die Dividende. Seit 29 Jahren wurde diese auch nicht mehr gesenkt. Damit ist Linde ein Dividendenaristokrat. Die Dividende lag im letzten Geschäftsjahr bei 6$. In den Monaten März, Juni, September und Dezember wurden den Aktionären jeweils 1,50$ gutgeschrieben. Mit einem aktuellen Aktienkurs von 440,33$ und einer Dividende von 6$ ergibt sich eine Rendite von 1,36%.
Das KGV & KBV
Für ein Value Titel ist das KGV von Linde entsprechend. So liegt dieses bei 32,11. Das KBV ist ebenfalls hoch bewertet. Diese weist einen Wert von 5,43 auf.
Die Eigenkapitalquote & die Eigenkapitalrendite
Die Eigenkapitalquote liegt bei 49,25%.
Mit einem erwirtschafteten Gewinn von 6.565 Milliarden US-Dollar und einem Eigenkapital von 39.475 Milliarden US-Dollar, dass multipliziert mal Hundert ergibt eine Eigenkapitalrendite von 16,6%.
Weitere Finanzkennzahlen
Der Piotroski F-Score liegt bei 6 von 9 Punkten
Die Bruttomarge liegt bei 48,78%. Im Gegensatz zu den Konkurrenten kann Linde allerdings eine höhere Nettomarge aufweisen. Diese liegt bei 21,17%.
Die Umsatzrendite kann einen Wert von 19,89% aufweisen.
Die Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Linde_plc
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/linde-praxair-fusion-1.4180894
https://de.wikipedia.org/wiki/Linde-Verfahren
https://www.tarife.at/energie/gas/wissen/prozessgas
https://www.finanzen.net/bilanz_guv/air_liquide
https://www.finanzen.net/bilanz_guv/air_products_and_chemicals
https://www.gurufocus.com/stock/XPAR:AI/summary
https://www.gurufocus.com/stock/APD/summary
https://companiesmarketcap.com/air-products-and-chemicals/marketcap
https://de.finance.yahoo.com/quote/LIN.DE